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Bereits im August sind die ersten schon ganz „heiß“ darauf dabei zu sein – und womit? Mit Recht! Es ist eben eine Weihnachtsfeier, wie sie wahrscheinlich bei Vereinen im weiten Umkreis ihresgleichen sucht.

Und in diesem Jahr war sie sogar rekordverdächtig: 132 Anmeldungen sorgten dafür, dass die KuSch bis auf den letztmöglichen Platz gefüllt war. Dabei zeigten sich alle festen Theater-Formationen des Vereins nahezu komplett vertreten – ein bemerkenswertes Zeichen auch der jungen Generation, die im Saal sogar die knappe Mehrheit hatte.

Für alle Beteiligten wurde es besonders „kuschelig“, weil der Platz für das große Büffet vom nicht vorhandenen Foyer ins Innere verlegt werden musste. Aber auch diese Improvisationsaufgabe meisterten die Mitglieder dieses grandiosen Vereins so, wie schon seit Beginn der Umbauarbeiten im Oktober: Konstruktiv, fröhlich und harmonisch. Und so war es kein Wunder, dass an diesem Abend gleich noch eine weitere Bestmarke geknackt wurde: Denn erst als es langsam wieder hell wurde, verließen die Letzten gegen 5.45 Uhr das gastliche Haus, das von Adelheid Simmer, Uli Wagner, AJ Cunz und vielen Helfern weihnachtlich vorbereitet worden war.

Was lag zwischen dem offiziellen Beginn um 19 Uhr und dem „Heimgang“ der letzten versprengten Mitglieder? Ein pickepackevolles Programm, das bereits zu Beginn seinen ersten überraschenden Höhepunkt hatte.

Die neu gegründete KuSch Company, die im Mai ihre ersten beiden öffentlichen Auftritte hat, verbreitete rasch Gänsehautstimmung im Saal. Von Lisa Ebertz in Abwesenheit von „spiritus rector“ Nicolai Benner (er hatte parallel einen Auftritt in Mainz) perfekt dirigiert, ließ die Formation „Das Lied des Volkes“ aus dem Musical „Les Miserables“ sowie „Wir entfachen Magie“ aus „Pippin“ erklingen. Ein tolle Einstimmung für den Abend, der mit einem abwechslungsreichen Büffet, das die Mitglieder durch ihre Spenden größtenteils selbst zusammengezaubert hatten, seine Fortsetzung fand.

Anna Walterscheid leitete dann nach dem Essen mit drei selbst geschriebenen, bemerkenswerten Songs an der Gitarre in den kompakten Programmteil über, den Vereins-Chef Jörg Michael Simmer mit einem kleinen „offiziellen“ Teil eröffnete. Er dankte nicht nur speziell den Jugendgruppen-Leitern Britta und Chris Großmann (Kukis), AJ Cunz und Dave Löll (Youngsters) sowie Jonas Wogenstahl und Dominik Visca (16+), sondern auch Elke Läufer und Ehrenmitglied Irmgard Zeh, die seit Jahren frühmorgens die kulinarische Versorgung der Schauspieler des Weihnachtsstücks übernehmen. Er verabschiedete zudem Isa Hortien als Vorstandspraktikantin und sprach ein „DanKuSchön“ an Holger Heix aus. Der „Mann für alle Fälle“ ist nicht nur als Regisseur des Sommerstücks unentbehrlich, sondern als kreativer Kopf auch beim Bühnenbau sowie im Grafikdesign gefragt.

Tränen flossen bei einem Poetryslam-Beitrag von Livia Warch. Im Weihnachtsstück „Ali Baba“ noch als resoluter Papagei überzeugend, faszinierte und rührte sie in ihrem zweiten Text den ganzen Saal und verursachte stehende Ovationen für ihr Liebesgedicht an das „Theat(er)leben“ in diesem Verein.

Eine Präsentation mit über 150 Fotos des abgelaufenen Jahres sowie das obligatorische Schätz-Quiz, bei dem sich ebenfalls Holger Heix unter elf Kandidaten als Sieger zwei Karten für das KuSch-Varieté im Februar sicherte, rundeten einen Abend ab, der dann noch einen letzten emotionalen Höhepunkt hatte: Leon Kunz sorgte mit „Somewhere over the rainbow“ und einem Lichtermeer im Saal nochmals für Gänsehautstimmung.

Danach wurde gefeiert – und wie.
Ein Dankeschön geht an alle, die auf der Bühne und hinter den Kulissen geholfen haben, diesen Abend zu „wuppen“ und natürlich an die fleißigen Helfer, die bereits während des Abends halfen, die KuSch wieder vorzeigbar zu hinterlassen.
DANKE!

(Fotos: Gert Fabritius)

Und hier noch der Slamtext von Livia Warch:

Feliz Navikusch

Wie ein weißes Seidentuch legt sich der Schnee,

auf Wiesen, Felder, umgibt geschlossen den See,

durch nadelige Zweige weht die knackig kalte Kälteluft,

in hundert kühlen Nasen weilt ein knackig kalter Kälteduft.

Der Mond malt Mittelhessen schimmerig grau,

legt mit allen Mitteln Hessen in winterlichen Tau,

und während in hundert Ohren die Kühle kneift,

werden an einem Wunderort munter Stühle gereiht.

Und die Abendluft taucht ein in Zigarettenrauch,

ein einsamer Nichtraucher, der stattdessen lauscht,

was die wartende Menge so zu erzählen hat,

da startet das Gedränge vor dem Kulturort der Stadt.

Drinnen klirren Gläser und es herrscht hektisches Gesäusel,

hier ein Schwirren, da ein Fiepen, meist technische Geräusche,

doch könnte es kaum stiller sein, die roten Stühle sind leer,

und vor den Brettern, die die Welt bedeuten, schillert ein warmes Teelichtermeer.

Es öffnen sich die Türen, der Theaterabend hat begonnen,

so werden sich an Theater labende, theaterkartenhabende Besucher in Empfang genommen.

Von Durst und Hunger angeheuert,

nahezu schon bauchgesteuert,

führt der erste Weg zum Tresen,

um Lust auf Speis‘ und Trank zu pflegen.

Die Engel des Weines, die Feen des Bieres,

hantieren mit Flaschen, da ist immer ein Lächeln, immer ein liebes,

sind mit auswendig aufgesagten Preisen fast schon so wie,

Profis in königlichen Kreisen der Gastronomie.

Beherrschen wie kaum andere Handgriffe des Catering,

Grüßen, Umsorgen, mit Mühen und Worten ist schon, hey, ihr Ding.

Und mit von Kohlensäure gekitzelter Zunge geht es weiter,

die Masse wird breiter, wirkt unendlich heiter.

Und während sich der Saal allmählich mit Zuschauern füllt,

werden etwas weiter unten Haut und Haare in Zauber gehüllt.

Pinselstriche, Puderwolken, Farbenspiel und super Locken,

verleihen jeder Pore, Wimper, Braue Leben,

und sind helfende Hand beim Tape-Band kleben.

Hier sind waschechte Künstlerinnen am Werk,

mit den Tuben in der Hand und der Maske im Herz.

Der Blutdruck steigt, die Hände zittern,

Staub schwebt im Schein von Bühnenlichtern,

Mund ist trocken, Schweiß nässt das Tape,

sie wollen’s rocken, das ist alles, was zählt,

Das Spiel liegt ihnen im Blut, schießt mit bis zum Herz,

tangiert, massiert, flankiert das Ende jeden Nervs

füllt die Kammern, Ader-Hit, wabert mit, artet aus,

so begeistern sie, bereichern sie und verdienen Applaus.

Denn dieser ist es, den man hier versteht wie,

lindernde, mildernde Mittel der Anästhesie,

die das kletternde Lampenfieber betäuben,

auf diesen Brettern, die die Welt bedeuten.

Es gibt diese Pille, die dem Kurieren dieses Fiebers dient,

als Zubehör eines jeden Gehörs wirkt sie auditiv,

ein Mittel der Lampenfieberanästhesie, das aussieht wie,

ein kleiner Knopf, das In-Ear, das schon aus vielen Ohrmuscheln fiel.

Doch es wäre wirkungslos, wenn‘s da nicht jemanden gäbe,

am anderen Ende der Leitung, eine gute Seele, stets bereit zur Rede,

eine Superheldin aller Spielerinnen und Spieler, eine flüsternde Größe,

der Text das Cape, das Mikro die Waffe, Amerika hat Superman, wir haben die Supersouffleuse.

Der Nachbar ist elektrisch, vom Foyer aus westlich,

Gegenüber Battery-Packs skeptisch, seine Fähigkeiten technisch,

ohne euch geht kein Vorhang auf, kein Licht geht an,

sorgt mit Hilfe von Ampere für wichtiges Theaterflair und erst dann,

wenn der Vorhang zugeht und die Lichter aus, so ganz ohne Pannen,

könnt ihr euch zurücklehnen, euch dem Party-Licht annehmen und entspannen.

Und es gibt so unzählig viele weitere,

leistende, leitende, streichende, zeichnende, bleibende,

zeigende, weisende, reichende, weilende, teilende, schweißende,

die mit Leidenschaft alles in ihrem Bereich geben,

sind aus eig‘ner Kraft wahre Helden im Vereinsleben.

Das hier ist nicht nur ein Ort, an dem es um Bühne und Kultur geht,

wobei das kleine Wort „nur“ hier absolut in Gänsefüßchen steht,

das hier ist ein Zuhause mit Familie und Freunden,

so ganz ohne Blutsverwandtschaft, das lässt sich nicht leugnen,

das hier ist eine Art Zufluchtsort vom prägenden, lähmenden Alltag,

denn nachdem der Chef mies war, der Kaffee fies war, und eh alles brachlag,

fängt dieser Ort dich auf mit einem Kuss auf die Stirn,

tolle Menschen spannen einen Alltags-Sorgen-Regenschirm.

Es ist witzig und komisch wie das Leben manchmal spielt,

wie’s den Queue kreidet, das „nö“ meidet, mit angestrengten Augen zielt,

und Menschen zusammenführt mit unterschiedlichem Alter, Beruf, Denken,

die doch so sehr für diese eine gemeinsame Sache brennen.

Die sich wie Eisen-Metall-Partikel vom Magnet getrieben,

schließlich immer hier formieren, weil sie’s lieben,

weil sie gar nicht anders können, weil sie manchmal auch zu viel geben,

daher oft neben sich stehen, aber ohne würde im Leben was fehlen.

Also, liebe Herborner Heimatspielerinnen und Heimatspieler, Danke.

Danke für unglaublich tolle Zeiten, für neue enge Freundschaften,

für unvergessliche Momente und das Raum schaffen,

für neues Unvergessliches, was da noch kommen wird,

einfach ein riesengroßes Danke für das, was hier so passiert.

Und bevor das hier jetzt ausartet, schalte ich mich auf stumm,

aber wie sang Andreas Bourani mal so schön: Ein Hoch auf uns.

 

 

 

 
Autor
Jörg Michael Simmer

jms2016

Jörg Michael Simmer ist seit 2001 Vorsitzender des Vereins "Herborner Heimatspiele e.V.", dem er seit seiner Gründung 1990 angehört. Er ist für die Programmzusammenstellung in der Kulturscheune verantwortlich und seit 1984 aktiver Schauspieler.
 

 

 

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