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„Dunkelheit macht in erster Linie nur kein Licht“, erklärt die Erzählerin Emilia Brighten (Rabea Wagner) dem Publikum, das in der Herborner „KulturScheune“ die vielbeachtete „Komödie im Dunkeln“ gesehen hat.

Die Besucher erlebten ein Stück, das zwar im Finsteren herumstochert, aber dennoch viel Erhellendes über die Charaktere der Bühnenfiguren zu bieten hat. Die „Komödie im Dunkeln“ aus der Feder des 2016 verstorbenen britischen Bühnenautors Peter Shaffer, das vom Regieteam Jonas Wogenstahl und Dominik Visca für das „Junge Ensemble 16+“ der Herborner Heimatspiele überarbeitet und in einer ganz eigenen Version inszeniert wurde, garantierte jedenfalls eine an Verrücktheiten, Verwechslungen, Verletzungen und Situationskomik reiche Theaterunterhaltung.

Ein Kurzschluss sorgt in der Wohnung der jungen, talentierten, aber bisher erfolglosen Samantha Miller, die gemeinsam mit ihrer Verlobten den Besuch einer reichen russischen Kunstmäzenin erwartet, für Chaos. Fortan spielt sich die Handlung auf der Bühne im Dunkeln ab. Dank eines kleinen, aber effektvollen Tricks wird hell und dunkel auf der Bühne umgekehrt, so dass das vermeintliche Unbeobachtet-Sein in der Dunkelheit für das Publikum voll ausgeleuchtet ist. In aller Ruhe kann man beobachten, wie Dinge verschwinden und wieder auftauchen und das Mobiliar nach und nach die Wohnungen wechselt.

Abschnittsweise wird die Handlung kurzfristig eingefroren, damit Rabea Wagner als lakonisch agierende Pfadfinderin Emilia Brighten den Zwischenstand der Handlung zusammenfassen kann: „Sie werden sich amüsieren, auch wenn es unanständig werden kann.“

Und in der Tat lässt das Schauspielteam des „Jungen Ensembles 16+“ nichts aus, um der Tragik in der Komik mit viel Witz und noch mehr Gespür für Kuriosa Tempo und Esprit zu verleihen.

Da ist der zukünftige Schwiegervater von Samantha, Colonel Melkett, der sich an diesem Abend ein Bild vom beruflichen Erfolg der Künstlerin machen will. Davon könnte die Hochzeit mit Carol abhängen. Um den wichtigen Besuchern zu imponieren, hat sich Samantha beim verreisten Nachbarn Harold Gorringe einige wertvolle Möbel und Antiquitäten ohne dessen Wissen ausgeliehen, um ihr spartanisches Atelier eindrucksvoller wirken zu lassen.

Doch ein Stromausfall bringt alles durcheinander. In kompletter Dunkelheit tauchen plötzlich der Nachbar und Samanthas Ex-Geliebte Eva auf. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Kerzen und Streichhölzer sind nicht aufzutreiben, der Elektriker lässt auf sich warten. Zwischen vertauschten Drinks und peinlichen Verwechslungen stolpern die Gäste durch ihre Wohnung.

Während sich auf der Bühne die Ereignisse überschlagen, wird das Publikum mit der Handlung und den darin agierenden Personen richtig warm. Man genießt es, wie ihr Charakter im Dunkeln demaskiert wird, zur Parodie verkommt.

Miriam Peuser brilliert mit exzellenter Gestik und grandios gespielter Verwirrtheit in der Rolle der Samantha Miller, während es Nina Messerschmidt als ihre Verlobte Carol Melkett perfekt versteht, stets cool und überlegt zu bleiben. Im Alkoholexzess entgleisen Tsion Asarat Ayele als Miss Furnival und Svenja Kugler als Eva – zur Erbauung der Zuschauer – die Körper und Gesichtszüge. Daniel Feldmann als Nachbar Harold Gorringe und Christopher Großmann als Colonel Melkett erweisen sich in ihren Rollen als Karikaturen verklemmter Spießigkeit und Sittenstrenge, denen allerdings am Ende der Zahn gezogen wird. Nicht zuletzt rundet Sofie Hirth in der Doppelrolle als Kunstmäzenin und Elektrikerin das tragikomische Spiel mit sichtbarem Ausgang ab.
(Fotos: Gert Fabritius)

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

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