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Wer Woody Allens „Hannah und ihre Schwestern“ kennt, weiß, dass die Umsetzung für die Bühne schwierig ist. Das Regieteam der „Youngsters“ der Herborner Heimatspiele hat es dennoch gewagt.

Und sie haben eine ordentliche Inszenierung hingelegt, die in der „Kulturscheune“ mit viel Beifall quittiert wurde.

Es ist nicht einfach, wenn sich eine junge Schauspielerriege daran begibt, den komplexen und liebenswerten Charakteren von Hannah, ihren Schwestern Lee und Holly, sowie ihren Männern, denen Woody Allen ein von Brüchen und Selbstzweifeln bestimmtes Leben eingehaucht hat, gerecht zu werden. Wären sie im wirklichen Leben doch allesamt Dauerpatienten auf der Couch eines Psychiaters. Und so dauerte es eine Weile, bis der Zuschauer Licht in der collagenhaft-szenischen Inszenierung des Werkes sah, in der alle Akteure ihre Rollen mit Bravour meisterten.

Zwischen zwei Thanksgiving-Abenden am Anfang und am Ende des Stückes – gab man sich dem Wortwitz des New Yorker Stadtneurotikers Woody Allen hin, der vor allem bei Leon Kunz in der Rolle des TV-Autors Mickey und bei Laura Dörr als Holly auf fruchtbaren Boden fiel. Die „Youngsters“ präsentierten eine vielschichtige Komödie mit vielen Irrungen, Verwirrungen und manchmal auch einer Prise Verzweiflung.

Hannah, die mit ihren Problemen niemandem zur Last fallen will und dennoch zu einer Belastung für ihre Umgebung wird, findet in Isa Hortien eine solide Entsprechung. Regina Marzen schlüpfte in die Rolle von Lee, die zwischen dem Maler Frederick (Michael Dahlhaus) und dem sensiblen Elliott (Louis Peter) hin- und hergerissenen ist.

Die latenten Ängste und manifesten Minderwertigkeitsgefühle, die in „Hannah und ihre Schwestern“ auf eine von Reizen überflutete Welt stoßen, in der die Glücksverheißungen nur zutiefst verunsicherte Individuen hinterlassen, wurden von Anna-Julia Cunz und David Löll präzise herausgearbeitet. So treffen die Szenen, in der sich Holly und ihre Freundin April (Lisa Kring) in den erfolgreichen Architekten David (Nicolas Wogenstahl) verlieben, ebenso den Allen-Duktus, wie die Szenen mit dem Hypochonder Mickey. Wegen Hörprobleme geht er zu Dr. Grey (Tom Ewert) und sieht sich mit einem vermeintlichen Gehirntumor konfrontiert. Seine Todesangst hofft er mit seiner Konvertierung vom Judentum zum Katholizismus in den Griff zu bekommen.

Nicht minder wundervoll ist auch das Treffen zwischen Holly und Mickey in einem New Yorker Punkschuppen, in dem Mickey Qualen leidet, weil er fürchtet, von der Band als Geisel in Haft genommen zu werden. Am Ende bekommt er schließlich Holly, Elliot kehrt zu seiner Frau Hannah zurück, und Lee findet zu Frederick zurück.

Fazit: Wer sich auf „Hannah und ihre Schwestern“ einließ, dabei mutig den etwas undurchsichtigen Start hinter sich ließ, kam in den Genuss einer Inszenierung, die zwischen Liebeskummer und Identitätsfindung ein Fest auf und fürs Leben ist.
(Fotos: Gert Fabritius)

 

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

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