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Der 16. Herborner Poetry-Slam hat einen verdienten Sieger gefunden. Tobias Beitzel setzte sich am Ende des Abends unter den angetretenen sechs Dichtern durch und hatte das Publikum auf seiner Seite.

„Ein Poetry-Slam ist ein moderner Künstler-Wettstreit, bei dem junge Leute mit selbst geschriebenen Texten auftreten. Es gibt ein Zeitlimit von sechs Minuten, und es dürfen keine Requisiten verwendet werden“, erklärte Moderator Tristan Kunkel zu Beginn. In zwei Dreiergruppen wurde jeweils ein Finalist ermittelt.

Steffen Ziegler trat als „Einheizer“ – außer Konkurrenz – mit seinem Roman „Keltenkind“ auf. Der Herborner trug sein gedichtetes Werk über eine junge Römerin namens Luna frei vor und begeisterte mit kreativen Reimen. Anschließend begann die erste Runde des Wettstreits. Sieben Freiwillige aus dem Publikum erhielten Jurykarten von 1 bis 10 Punkten für die Bewertung der Auftritte.

Bernard Hoffmeister aus Düsseldorf sprach über die Qual, sich zu entscheiden. Die belastenden Gedanken beim Kauf eines neuen Sofas waren der Jury 38 Punkte wert.

Die nächsten sechs Minuten waren gefüllt mit einer Liebeserklärung, die nicht ehrlicher hätte sein können. „Ich liebe dich, obwohl du überall deine Socken verteilst, trotz deiner Babysprache ...“, trug der Dortmunder Björn Rosenbaum vor. Mancher Zuschauer erkannte sich in den Beziehungsgeschichten des Künstlers wieder, was an dem lauten Gelächter zu erkennen war. Besonders gelungen war der unerwartete Abschluss des Textes, als der Erzähler seine Gründe erklärte, wieso er diese Frau mit all ihren Makeln heiraten wird: Auch er sei nicht perfekt, was er mit einer Aufzählung seiner nervenaufreibenden Eigenarten bewies. Für diesen Auftritt gab es 46 Punkte.

Es folgte der dritte Künstler, „Christofer mit ‚f‘“. Neben der Tatsache, dass er aus Herne komme, fügte er hinzu: „Ich habe es auch sonst nicht leicht als Lateinlehrer.“ Als er eines Morgens durch das Haus seines One-Night-Stands „Sabine, die Eroberin“ getigert sei, habe er festgestellt, dass es sich um die Mutter zweier Latein-Schülerinnen handelte. Als die Zwillinge plötzlich vor ihm standen, versuchte er die Situation zu retten: „Ich wollte testen, ob ihr auch wirklich nachts die a-Deklination wie aus der Pistole geschossen aufsagen könnt!“ Mit 43 Punkten für „Christofer“ ging die erste Runde zu Ende.

Nach der Pause ging es wieder mit einem kurzen Auftritt des Einheizers weiter. Steffen Ziegler präsentierte diesmal eine noch unveröffentlichte Szene aus dem vierten Band seines Buches.

Die zweite Runde wurde von Jan Schmidt aus Bochum eröffnet, der das Publikum mit einem Alpaka-Witz begrüßte: „Alpakas lassen sich nicht gerne umarmen, aber sie tolerieren es!“ Diese Tatsache über ein Tier begeisterte Schmidt sehr. 38 Punkte holte er mit seiner Geschichte über ein fiktives Ich, das, nachdem es Drogen konsumiert hatte, die Welt komplett verworren wahrnahm.

Politischen Charakter besaß das Gedicht von Tobias Beitzel. Unter dem Titel „Europa in drei Teilen“ schilderte er drei verschiedene Situationen der europäischen Geschichte: 1916, 1943 und das Jahr 2019. Mit dem Vergleich der beiden Weltkriege und der heutigen Zeit versuchte Beitzel, die aktuellen Beschwerden über die Europäische Union kritisch zu hinterfragen. Erschütternde Bilder in den Köpfen des Publikums rief er mit seinen Zeilen hervor und äußerte seine Verständnislosigkeit darüber „wie man die Vergangenheit nur so schnell vergessen kann“. Für seine ernste Poesie wurde er mit 48 Punkten belohnt.

Der nachdenklichen Stimmung schloss sich Theresa Hahl an. Der Vortrag der Bochumerin thematisierte Distanzen: physische sowie psychische Entfernungen. Solche träten zum Beispiel in Form von verschiedenen Lebenseinstellungen auf, aber würden auch viel gravierender aussehen können: „Ein Strich, der dem Menschen das Recht auf Legitimation abspricht.“ Ihr tiefgründiger Text, untermalt von zarten, jedoch ausdrucksstarken Gesten, wurde mit 46 Punkten bewertet.

Im Finale wurden sowohl Björn Rosenbaum als Tobias Beitzel ihren vorherigen Punktzahlen gerecht, indem Rosenbaum von den Sorgen über die Rentenversicherung sprach und Beitzel das Kneipensterben thematisierte. Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem der Wittgensteiner aus Bad Berleburg den lauteren Applaus erhielt und mit dem traditionellen Siegerbeutel nach Hause gehen konnte.

 (Fotos: Gert Fabritius)

 

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