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Dass man auf Flaschen Musik machen kann, führt seit etlichen Jahren das Berliner Quartett "GlasBlasSing" vor. Und das jetzt, man ist genigt zu sagen "endlich", auch zum ersten Mal in der Herborner Kulturscheune.

Wer hat schon nicht einmal auf den Hals von leeren Flaschen geblasen und nicht mehr als den dumpfen Ton eines Nebelhorns erzeugt? Wie man das professionell und unterhaltsam macht, das konnte man in der KuSch erleben.
Mit kleinen Flaschen und großen Flaschen in Plastik oder aus Glas in grün, braun und weiß, mit Blech, Bierkästen und Trinkwasserspendern, die sie statt zu recyceln nutzvoll upcyceln, rocken sich die "Glasbläser"durch die Hits aus Klassik und Pop, und lassen es dabei mit 140 Beats per minute (Bpm) mächtig krachen und verwandeln den Getränkemarkt mal soeben in einen Konzertsaal.
Mit ihrem aktuellen Programm "Flashmob" machen David Möhring, Andreas Lubert, Fritze Lubert und Frank Wegner die Menschen glücklich. Nach eigenem Bekunden ist es das beste Flaschenmusikprogramm aller Zeiten, und man glaubt es ihnen bereits beim Eröffnungsstück "Also sprach Zarathustra". Alles wird bei GlasBlasSing frisch zubereitet, auch mal mit einem Loop-Gerät, das es ihnen ermöglicht, insbesondere die im Moment erzeugten Schlagzeug-Rhythmen unverändert zu wiederholen. Nichts kommt aus der Konserve. "Keine Macht der Dose", so lautet ihr Motto.
Man klopft, pustet, ploppt, schüttelt, klimpert, zupft, klappet, ritscht, knistert, wirft, knickt und scheppert sich durch ein Arsenal aus Flaschen und sonstigen Behältnissen, um damit Töne zu erzeugen, die wie Gitarre, Bass, Flöte oder auch Steeldrum klingen. Hinzu kommt die Stimme des Sängers und Rappers Andreas "Andi" Lubert, der am Ende ihrer unglaublich tollen Show auch das einzige originale Musikinstrument, eine Ukulele zur Hand nimmt.
Die vier Flaschen-Virtuosen, die aus Pullen magische Klangschatullen machen, verstehen es prächtig, in die Jahre gekommene Hits leichthändig auf Vordermann zu bringen und mit Versen zu versehen, die für süffisantes Schmunzeln oder gar Schenkelklopfer sorgen. Zur Melodie zum Amy Winehouse' Song "Valerie" preisen sie Sellerie als Aphrodisiakum an, machen sich mit Chopins Trauermarsch und dem Darth Vader Thema über Tod und Teufel lustig: Gut geploppt stimmen sie auch Leonard Cohens Lied "Halleluja" gepaart mit "Sing Hallelujah" im fülligen Leergutsound an, um so für sich und das Publikum Erleuchtung zu erlangen.
Ob Cokecaster-Flaschengitarre, Wasserspenderbass, oder die Wasserspender-Floor-Toms, die einen deftigen Bums machen, wenn man mit der grünen Perrier-Keule draufhaut, bei "GlasBlasSing" kennt der instrumentale und songtechnische Ideenreichtum keine Grenzen. Mit ihrem feinsten Pfandwerk, von würzig-herb bis feinperlig, hochprozentig anregend, sorgen sie für ein außergewöhnliches Musikerlebnis, wie bei dem natürlich selbstgebauten Flachmanninow-Glockenspiel mit 21 Schnapsfläschchen.
Unter dem Motto: Welche Melodie verbirgt sich hinter welcher Zahl zum zweiten Mal? nahmen zwei Zuhörer - Vater und Tochter an einem für sie erfolgreichen Flaschenmusik-Memory teil und konnten eine DVD und eine "GlasblasSing"-Tragetasche einheimsen.
Zum Schluss gab's viel zum Schmunzeln und zum Schunkeln. Und die Weiterdichtung von Ingo Insterburgs "Ich liebte ein Mädchen..." fand seinen Weg auch nach Dillenburg: "Ich liebte ein Mädchen in Dillenburch und hielt das nur mit Pillen durch". Und abermals war die Rivalität zwischen Dillenburg und Herborn einen Lacher wert. Sei's drum. GlasBlasSing waren jeden Ton wert, den sie auf ihrem Recyclinggut anstimmten.
(Fotos: Gert Fabritius)

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

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